Microwechselrichter-vormontiert-ohne-text

1-Phasige Einspeisung

Oft wird uns die berechtigte Frage gestellt, ob man bei Plug & Play-Solaranlagen (Balkonanlagen) nicht Strom verschenkt, wenn man nur auf einer bzw. der „falschen“ Phase einspeist. Oder auch an welcher Steckdose man die Anlage anschließen muss (an derselben Leitung wie z.B. der Kühlschrank).

(Update 2021.08) Oder auch, ob sich eine einphasige Anlage in eine bestehende Anlage mit drei Phasen einfügt.

Kurze Antwort: Vergessen Sie die Phasen!

Es spielt keine Rolle auf welcher Phase (Steckdose) man Strom einspeist oder auf welcher Phase man Strom verbraucht.

Die Abrechnung des Versorgers unterscheidet nicht zwischen den Phasen, da der Zähler über alle drei Phasen saldiert. Vermutlich können die meisten Zähler den Verbrauch der einzelnen Phasen gar nicht einzeln speichern. Die alten Drehscheibenzähler konnten das mit Sicherheit nicht. Denn sie haben nur eine Scheibe für alle Phasen, die den Zähler antreibt, und nicht drei. Das Gleiche gilt für hauseigene Zähler, die z.B. für einen Speicher den Eigenverbrauch erhöhen sollen. Auch hier gilt: Der Zähler saldiert über die drei Phasen und gibt nur Gesamtwerte über Bezug oder Einspeisung aus.

Jeder normale Hausanschluss in Deutschland oder auch in der Schweiz hat drei Phasen, also drei Leiter auf denen Strom fließt:

Dreiphasenwechselstrom

 

 

Man spricht auch von einem Starkstromanschluss oder Drehstrom (400 Volt): Drei Phasen, Neutral- und Schutzleiter (L1, L2, L3, N, PE).

 

Zumindest in Privathaushalten zählen die Zähler saldierend über alle drei Phasen und es werden immer alle Phasen zusammen gezählt. Nur alte Drehscheibenzähler (Ferrasizähler, die nach und nach ersetzt werden) und einige alte elektronische Zähler zählen rückwärts. Saldierend heisst, es wird die Summe von L1, L2 und L3 gebildet.

 

Demzufolge ist es also buchhalterisch völlig egal auf welcher Phase man wie viel einspeist und verbraucht. Ein Beispiel:

(-) 100 Watt Einspeisen auf L1
+ 30 Watt Verbrauch auf L2
+ 70 Watt Verbrauch auf L3
= zusammen 0 Watt auf dem Zähler UND der Abrechnung.

besteht Strom ja „nur“ aus sich bewegenden Elektronen. Und bei Wechselstrom bewegen diese sich auch noch „bloß“ hin und her. Es fließt also kein einziges Elektron vom Windpark in der Nordsee in unsere Kaffeemaschine. Und auch keines aus einem Atomkraftwerk. Und leider auch keines von der PV-Anlage des Nachbarn … 😋
Physikalisch spricht man von Phasenschieflast, wenn die Phasen unterschiedlich belastet werden. Diese ist in privaten Haushalten erlaubt und völlig normal, weil sie sich mit den anderen Verbrauchern im Netz ausgleicht. Bei größeren Photovoltaikanlagen können Wechselrichter diese Schieflast ausgleichen und tragen so direkt zur Netzstabilität bei, aber das ist ein anderes Thema…
Übrigens sind in der Schweiz kleinere Photovoltaikanlagen bis 3,5 Kilowatt (in Deutschland 5 Kilowatt-Peak) einphasig erlaubt. Hier würde sich heute dieselbe Frage stellen, da man ja meist den Eigenverbrauch bevorzugt … weil die Vergütung der meisten E-Werke heute, um es freundlich auszudrücken, maximal nur als bescheiden bezeichnet werden kann…